Wie viel Leben passt in eine Zeitspanne von nur 51 Jahren?

Das Leben von Jeanine Deckers, besser bekannt als „die singende Nonne“, ist ein tragisches. Geboren 1933 in Belgien als ältestes von vier Geschwistern, wächst sie heran im aufziehenden Nationalsozialismus. Ihrem politisch aufmerksamen Vater ist es zu verdanken, dass die Familie frühzeitig nach Paris auswandert, von wo aus er die Restistance unterstützt. So gut wie ein Krieg es eben zulässt, übersteht die Familie den Irrsinn dieser Zeit. Nach 1945 kehrte die Familie nach Belgien zurück, wo Jeanine bald an einer Mädchenschule als Zeichenlehrerin arbeitet. Eine erneute Wende nimmt ihr Leben, als sie 1959 in den Orden der Dominikanerinnen eintritt. Als Nonne nennt sie sich nach ihren Eltern Luc-Gabrielle.

Zu den wenigen persönlichen Habseligkeiten die sie mitbringt, zählt auch eine Gitarre.Während der Jugendarbeit lernt sie nicht nur die Beherrschung dieses Instrumentes, sondern auch das Texten und Komponieren.Als sie zusammen mit ein paar Mitschwestern ein Lied für ihre Mutter Oberin aufnimmt, wird eine Plattenfirma auf sie aufmerksam. Dabei handelte das Lied vom Gründer des Ordens und heißt entsprechend „Dominique“. Obwohl, oder gerade weil sie nur in ihrer Nonnentracht auftritt, ist ihr Erfolg enorm. Zeitweilig steht sie sogar an der Spitze der US-Charts. Bekannt wird sie dabei als Soeur Sourire – die singende Nonne. In einer Umfrage der Plattenfirma haben Jugendliche ihr diesen Spitznamen gegeben. Als Hollywood Interesse an Luc-Gabrielle zeigt und einen Film über sie dreht, der allerdings wenig mit ihrem echten Klosterleben zu tun hat, wird es der Mutter Oberin zu viel des weltlichen Rummels, weitere Plattenverträge sowie Auftritte werden verboten. Luc-Gabrielle gefällt das jedoch gar nicht! Sie verlässt das Kloster 1966, bleibt aber, wieder ein Novum, dem Orden zugehörig und ist somit eine Laienschwester.

Da sie ihren Künstlernamen nicht weiterverwenden darf, tritt sie nun unter dem Namen Luc Dominique und in Privatkleidung auf.  Aber ohne die Exotik, die ihr durch das Tragen des Habits als Nonne anhaftet, bleibt der Erfolg aus. Obwohl ihre Texte als politisch gelten können und durchaus provozieren, z. B. wenn Jeanine/ Luc von „der goldenen Pille“ singt – der Antibabypille – oder in der Radioaktivität Gottes Gegenwart erkennt. Anfang der 70er Jahre zieht sie sich ins Private zurück. Sie macht öffentlich, dass sie seit ihrer beginnenden Popularität tablettenabhängig ist und unter depressiven Schüben leidet.Vielleicht liegt die Ursache in ihrer Beziehung zu Annie Pecher, mit der sie eine enge Freundschaft verband. Die Frauen leben zusammen und natürlich wurde in der Regenbogenpresse heftig darüber diskutiert ob es ein Liebesverhältnis war oder nicht.Die Biografin Florence Delaporte, die unter anderem die Tagebücher von Jeanine auswertete, kann angeblich keine gesicherte Auskunft darüber geben. Existierende Fotos, auf denen sich das Paar umarmt und küsst, sprechen jedoch eine eindeutige Sprache.

Bald kommen zu dem fehlenden Erfolg Forderungen in Millionenhöhe dazu. Das belgische Finanzamt erhebt horrende Steuerforderungen aus ihrem Erfolg „Dominique“ und dem nur mäßig erfolgreichen Film mit Debbie Reynolds.  Da Jeanine als Nonne die Einnahmen an das Kloster abgibt, sich dies aber nicht quittieren lässt, bringt sie das in große finanzielle Schwierigkeiten. Auf einen Rechtstreit mit dem Kloster verzichtet sie. Zur stark sind die Verbindungen, die jedoch sehr einseitig zu sein scheinen. Trotz des enorm großen finanzielle Drucks ihrer früheren Schwester schweigt der Orden beharrlich und zeigt sich in keiner Weise erkenntlich. Dem ehemals gern gesehenen „Geldesel“ bleibt kaum noch etwas zum Leben. Trotz des Eingreifens prominenter Freunde, die auf höchster politischer Ebene ein Wort für sie einlegen, kann ihr nicht geholfen werden.

Jeanine selbst ist letztendlich zu scheu, für sich um Hilfe zu bitten, was zu einer Verschärfung der Situation führt. Ihre Partnerin Annie, von der leider nur bekannt ist das sie zusammen mit Jeanine ein Heim für autistische Kinder führt, kann ihr nicht weiterhelfen. Jeanine singt ihr berühmtes Lied „Dominique“ ein letztes Mal 1980 als poppigen Remix, aber dieser floppt und bringt nicht die erhofften Einnahmen. Ihre Bemühungen als Sekretärin und als Verkäuferin einer Schönheitscreme sind ein verzweifelter Versuch, das Ruder noch einmal herumzureißen und den finanziellen Ruin abzuweisen. Am 30 März 1985 ist das Leben der singenden Nonne zu Ende. Mit einem Tabletten-Cognac-Mix nehmen sich die beiden Frauen das Leben und gehen gemeinsam in den Tod. Immerhin wird der letzte Wunsch des Paares erfüllt: Sie werden in einem gemeinsamen Grab in Wavre/Belgien beigesetzt.

 

Quellen:

http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag4924.html

http://www.lespress.de/062003/texte062003/zeitreise072003.html

https://de.wikipedia.org/wiki/S%C5%93ur_Sourire

http://www.singingnun.net/